Hopsi, das war wohl nix

Ich muss mich wieder einmal über die Berichterstattung in Österreichs Medien ärgern und schreib jetzt tatsächlich einen Blogpost über Hopsi.

Hopsi-Sparbücher waren ein Sparprodukt für Kinder der Commerzialbank Mattersburg (CBM), die nun pleite ist. Ausgehend von einem Kurierartikel sind diese Sparbücher seit 3 Tagen Thema in den Medien, obwohl es sich wirklich nur um einen Randaspekt dieser Pleite handelt. Interessanter als das Thema selbst ist das Rundherum, nämlich wer, was in welcher Qualität berichtet hat und wie Spins der Politik in die Medien kamen.

Ich wurde auf die Geschichte aufmerksam, weil Richard Grasl, Mitglied der Chefredaktion des Kuriers und lt. Wikipedia gilt er als ÖVP-nahe, einen hauseigenen Artikel auf Twitter geteilt hat. Er meinte dazu, er würde nun verstehen, warum Landeshauptman Doskozil nervös werde. Also hat mich dieser Artikel interessiert, der im Titel behauptete, Kinder würden um ihr Erspartes umfallen. Spoiler: Ich hab den Artikel gelesen und keine Ahnung, warum Herr Grasl meint, dass Herr Doskozil wegen dieses Aspekts nervös werden sollte, aber vielleicht gibt Wikipedia ja die Antwort.

Hier nun die Fakten: Die Einlagensicherung in Österreich gilt für Minderjährige und Erwachsene für Ersparnisse bis 100.000 € (in Ausnahmefällen bis 500.000 €). Wenn Eltern Sparbücher für Ihre Kinder eröffnen, aber auf den Namen der Eltern legitimieren, dann wird das Geld den Eltern zugerechnet. Es geht aber im Fall einer Bankenpleite nicht automatisch verloren, sondern wird in das Gesamtguthaben der Eltern eingerechnet und ist damit über deren Einlagensicherung bis 100.000 € pro Elternteil abgesichert. Offenkundig gab es im Fall der CBM nun Eltern die selbst dort hohe Sparguthaben hatten und auf sich selbst legitimierte Sparbücher unter dem Namen der Kinder bei der Einlagensicherung eingereicht haben und diese Eltern haben jetzt insgesamt den Maximalbetrag von 100.000 € aus der Einlagensicherung bekommen. „Kinder fallen um ihr Geburtstagsgeld von der Oma um“ ist also eine recht plumpe Darstellung.

Na jedenfalls hat Finanzminister Blümel auf den Kurierartikel prompt mit einer Aussendung geantwortet, dass die Guthaben von Kindern sicher seien, dass man jeden Fall prüfen werde und dass man kulant sein möchte. Zusätzlich informiert die OTS über die Auszahlung von 4,1 Mio. €, die bereits an 214 Minderjährige erfolgt sei.

Der Kurier feierte die Meldung und stellte sie als Erfolg der eigenen Berichterstattung dar, die ZIB 1 berichtete und via APA zahlreiche andere Medien.

Was steht nun tatsächlich in der OTS und kann der Finanzminister überhaupt kulant mit dem Geld der Einlagensicherung umgehen? War man kurz nach erscheinen des Kurierartikels bereits so kulant und hat im Schnitt ca. 19.000 € an 214 minderjährige Hopsi-Sparbuchbesitzer ausbezahlt? Bekommen jetzt alle Kinder das Geld vom Hopsi-Sparbuch, auch wenn es nicht auf sie legitimiert ist?

Die Antwort ist einfach: Wir wissen es nicht, die OTS gibt keine Auskunft darüber und offenbar hat auch niemand nachgefragt, sondern erst einmal den Spin des Finanzministers wiedergegeben.

Heute die Überraschung

Heute bereichtete der Kurier noch einmal über Hopsi und zeigt sich enttäuscht, dass die großzügig interpretierte Pressemeldung des Finanzministers offenbar falsch verstanden wurde. Eine Familie wird für das Guthaben auf einem Hopsi-Sparbuch nicht entschädigt. Der Aufhänger der Geschichte ist ein Kind, das operiert wurde und dem die Frau des Bankchefs deshalb ein Sparbuch mit 500 € geschenkt hatte. Das Sparbuch war auf einen Elternteil legitimiert, der vermutlich bereits 100.000 € aus der Einlagensicherung erhalten hat.

(Dass die Frau des Bankchefs ein Geldgeschenk an das Kind eines Großkunden macht ist ein interessanter Nebenaspekt. Woher kam dieses Geld und hat sie das öfter gemacht?)

Wie ist nun das Vermögen von Kindern über die Einlagensicherung abgedeckt? Veranlagungen für Kinder dürfen nur mündelsicher erfolgen (oder bedürfen einer Zustimmung des Pflegschaftsgerichts). Mündelsichere Veranlagungen für Kinder müssen wiederrum laut §216 ABGB auf deren Namen lauten. Das ist z.B. dann relevant, wenn Kinder etwas erben. Ich würde also vermuten, dass die 4,1 Mio. € bereits vor der Berichterstattung ganz normal an die Mündel ausbezahlt wurden und dass es sich dabei eben z. B. um Erbschaften handelt. Die OTS sagt ja nicht dazu, wer dieses Geld warum bekommen hat. Die Einlagensicherung wird wohl kaum einen Betrag dieser Höhe binnen weniger Stunden nach einem Zeitungsartikel in Kulanz ausbezahlen, weil der Finanzminister in den Medien glänzen möchte, oder?

Die meisten Hopsi-Sparbücher dürften Überbringersparbücher sein, auf die maximal 15.000 € einbezahlt werden können und von denen jeder, der es vorweisen kann und das Losungswort kennt abheben kann. Tatsächlich scheint sich nun alles um die Frage zu drehen, ob Kinder diese Losungswort-Sparbücher auf ihren Namen bei der Einlagensicherung einreichen können.

Es geht hier folglich im Kern mit Sicherheit nicht um einen handvoll klassischer Kindersparbücher der Kinder wohlhabender Eltern (mit Bankguthaben über 100.000 €), sondern um die Frage, ob man Überbringersparbücher über die Einlagensicherung der eigenen Kinder einreichen kann, wenn der eigene Maximalbetrag bereits ausgeschöpft ist und auch dann, wenn es sich nicht um eine müdelsichere Veranlagung handelt.

Insbesondere vom Kurier würde ich mir wünschen, dass er man in Zukunft erst recherchiert und dann solide Artikel verfasst. In der Gesamtbetrachtung war die Berichterstattung zum Thema im besten Fall boulevardesk und dilettantisch. Die Kritik daran war sachlich und ich würde mir von der Redaktion erwarten, dass man sie nicht als Trollen aus dem Internet einordnet, sondern vielleicht auch reflektiert, ob man hier nicht unbemerkt zum Sprachrohr einer Kampagne wurde.

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