NÖ Wohnbaugelder – Special Purpose Vehicle & Co

Im 4. Teil meiner Blogserie zu den Wohnbaugeldern wird es ein bißerl kompliziert, aber ich wollte auch den Aufwand einmal dargestellt haben, den man in Niederösterreich betrieben hat, um die Wohnbaudarlehens-Forderungen zu „verkaufen“. Beim lesen der Wortmeldungen der ÖVP-Abgeordneten im Landtag zu diesem Thema, stellen sich mir die Nackenhaare auf, weil sich deren komplette Ahnungslosigkeit offenbart.

Oberösterreich hat seine Forderungen recht simpel, nämlich so verkauft:

Oberoesterreich

(Inserat der Oberösterreichischen Landesregierung)

Nun nach Niederösterreich:

Kurz gesagt hat das Land ein Special Purpose Vehicle gegründet, das sich über variabel verzinste Asset backed Securities finanziert und das Zinsrisiko über einen Zinsswap abgesichert hat. Hier nun ein Versuch, das zu übersetzen:

Das Land Niederösterreich hat im Februar 2002 Forderungen aus den Wohnbaudarlehen – also die zukünftigen Rückzahlungsraten der niederösterreichische Häuslbauer – an die Blue Danube Loan Funding GmbH (kurz Blue Danube) verkauft. Das war die sogenannte 1. Tranche des Wohnbaudarlehens-Forderungsverkaufs, 2007 folgte eine zweite Tranche.

Die Blue Danube hat für zukünftige Rückzahlungen in der Höhe von ca. 4,7 Mrd. € nur ca. 2,442 Mrd. € bezahlt, der Differenzbetrag ist die sogenannten Abzinsung, die die Basis für das Geschäftsmodell des Forderungskäufers darstellt. Die Darlehen hatten unterschiedliche Restlaufzeiten, sodass sich der tatsächliche Abzinsungssatz nicht aus den bekannten Werten errechnen lässt, er soll aber bei 4,6 % p.a. gelegen sein. Einige Darlehen hatten eine sehr lange Restlaufzeit bis 2049.

Bei der Blue Danube handelt es sich um ein sogenanntes SPV (Special Purpose Vehicle), denn sie wurde nur dazu gegründet, die Darlehensforderung vom Land zu kaufen. Den Kauf hat die Gesellschaft finanziert, indem sie Anleihen begeben hat, grob gesagt, hat sie sich also selbst Geld ausgeliehen, um dem Land die Forderungen abzukaufen.

Die Blue Danube steht zu 100 % im Eigentum der Wohnbaudarlehen Privatstiftung, die ebenfalls extra gegründet wurde und deren Stifterin die Hypo NOE Gruppe Bank AG ist, die wiederum über Zwischengesellschaften dem Land NÖ gehört. Das Land hat sich also eine eigene Gesellschaft gegründet, die ihm die Forderungen abkauft, jedoch eine Privatstiftung zwischengeschaltet, sodass sie formaljuristisch keine Gesellschaft des Landes ist.

Die Blue Danube hat zur Finanzierung des Kaufs der Forderungen nun Anleihen mit einem variablen Zinssatz herausgegeben, für die der 6-Monats-EURIBOR (ein Referenzzinssatz, der damals noch ca. bei 3,4 % lag) + 0,19 % bezahlt wurde. Die Anleihen sind als ABS (Asset Backed Securities) realisiert, die durch die offenen Forderungen besichert waren und das Land Niederösterreich hat eine Garantie übernommen. Hätte also ein Häuslbauer sein Darlehen nicht bedienen können, dann wäre sein Haus im Extremfall zwangsversteigert worden. Vom Erlös wäre das Wohnbaudarlehen bedient worden, das ja an einem vorderem Rang im Grundbuch stehen musste. Hätte der Erlös nicht gereicht, hätte das Land NÖ der Blue Danube das ausstehende Geld zu diesem Darlehen überwiesen.

Eigentlich waren die Anleihen also eine sichere Veranlagung, jedoch mit einem relevanten Risiko. Wäre der EURIBOR zu stark gestiegen, hätte die Blue Danube für das Kapital mit dem sie die Wohnbaudarlehens-Forderungen gekauft hatte mehr bezahlt, als sie über die Rückzahlungen herein bekommt. Also ist die Blue Danube einen Zinsswap eingegangen. Sie bezahlt dem Swap Partner vermutlich 4,6 % Zinsen fix und dieser übernimmt das Risiko eines steigenden EURIBOR. Wenn der EURIBOR also zu sehr steigt und sich die Verzinsung der Anleihen nicht aus den Einnahmen der Blue Danube bezahlen lassen, schießt der Swap Partner zu. Ist der EURIBOR niedriger, verdient der Swap Partner an dem Deal.

Diese komplizierte Konstruktion hat dazu geführt, dass dem Land NÖ das Geld aus der 1. Tranche, das über die FIBEG veranlagt wurde, 4,6 % p.a. kostete. Der Blue Danube kostete der Zinsswap soviel, also musste die Abzinsung beim Kauf entsprechend hoch sein. Die FIBEG hat mit dem „teuren Geld“ laut Rechnungshof aber im Durchschnitt nur 1,8 % p. a. erwirtschaftet und damit ist über die Jahre laut Rechnungshof ein „Fehlbetrag“ von einer Milliarde € entstanden. Es ist wirklich bemerkenswert, wie viel Hirnschmalz in der ganzen Konstruktion steckt. Travnicek würde sagen: „Und das ist dabei herausgekommen?“

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s