Sind die APA und ihre Eigentümer ein Fall für die Wettbewerbsbehörde?

orfat

Die APA hat in Österreich eine marktbeherrschende Stellung. Diese ist historisch gewachsen und damit wohl in weiten Bereichen so zu akzeptieren. Nicht akzeptabel ist ein Trend der letzten Jahre, der die Vielfalt in der Berichterstattung zum Nachteil Medienkonsumenten stark einschränkt. Wortgleiche Artikel in vielen Medien sind ein Thema, dessen sich die Bundeswettbewerbsbehörde annehmen sollte. Insbesondere die wortgleiche Berichterstattung zur Innenpolitik hat eine Dimension erreicht, die die Marktsituation mit einer führenden Nachrichtenagentur im Eigentum von 13 Medienunternehmen, zu einem demokratiepolitischen Problem macht.diepresse

Was alle Brancheninsider wissen, ist den meisten Lesern gar nicht bewusst: Viele Artikel werden wortgleich – mit unterschiedlichen Überschriften – in zahlreichen Medien, meist online, aber auch im Print veröffentlicht. Am Ende des Textes steht dann z. B. „APA“, „Red/APA oder „orf.at/Agenturen“, häufig fehlt ein Hinweis, dass es ein Text der APA ist. Man braucht nur einmal einen ganzen Satz aus einem x-beliebigen ORF.at-Artikel der Rubrik „Inland“ googeln und die Wahrscheinlichkeit, dass dieser auch beispielsweise Treffer auf diepresse.at, derstandard.at, kurier.at und/oder kleinezeitung.at liefert, ist sehr groß (siehe Grafiken).sn

Die APA macht das, was sie immer getan hat und versorgt über den Basisdienst Medien mit Nachrichten. Wenn diese Nachrichtenartikel unverändert veröffentlicht werden, werden Geschichten nur noch aus einem Blickwinkel betrachtet. Weitergehende Recherchen, Erklärungen oder Interpretationen durch verschiedene Journalisten fehlen und Vielfalt und Qualität gehen verloren. Hinzu kommt, dass eine Nachrichtenagentur zu Themen oft verschiedene Wortmeldungen sammelt, die wohl als Basisinformation für die journalistische Bearbeitung in den Medien gedacht sind, bei direkter Veröffentlichung aber „he said, she said“ in Reinkultur darstellen. Auch Recherchefehler oder Frames und Spins, die von der APA als Zitate über den Basisdienst verbreitet werden, werden damit unhinterfragt in vielen Medien veröffentlicht. So wurden beispielsweise Informationen aus Stefan Pierers Steuerakt über den APA Basisdienst kurz vor der Wahl völlig unreflektiert und wortgleich in vielen namhaften Onlinemedien veröffentlicht, die journalistische Bearbeitung folgte, wenn überhaupt, dann erst im Nachhinein.kurier

Es ist eine Marktsituation entstanden, die in keiner anderen Branche denkbar wäre und die natürlich auch im Medienbereich sehr problematisch ist. Man stelle sich vor, die führenden Lebensmittelhändler würden einen großen Teil der Produkte einer Warengruppe im gleichen Werk produzieren, das Ihnen selbst gemeinsam gehört und die Produkte wären in Qualität und Verpackungsgröße ident, lediglich die aufgedruckte Bezeichnung würde sich unterscheiden. Damit ginge die Vielfalt für die Konsumenten verloren, der Wettbewerb wäre stark eingeschränkt und Mitbewerber hätten keine Chance mehr am Markt. Genau das ist derzeit die Marktsituation bei Online- und zum Teil auch bei Print-Nachrichten.kleinezeitung

Nun wird oft argumentiert, dass die APA in einer Welt, in der vielfältiger Journalismus nicht mehr finanzierbar sei, eine große und qualifizierte Redaktion betreiben kann. Diese Redaktion kann vielfältigen Journalismus nicht ersetzen und tatsächlich verhindert die Marktsituation, dass Vielfalt wieder entstehen kann. Der Massenmarkt wird über ein einheitliches Billigprodukt der Branchenführer abgedeckt, für neue Mitbewerber bleiben nur noch teure Nischen. Gerade im Bereich der Innenpolitik gibt es auch keine alternativen Informationsquellen, da nur Journalisten Zugang zu Pressekonferenzen, Interviews, Statements oder zeitnahe Antworten von Pressestellen erhalten können.

So, wie es undenkbar ist, dass dem Lebensmittelhandel die oben dargestellt Konstruktion wettbewerbsrechtlich erlaubt würde, sollten auch die Eigentümer der APA keine Fertigprodukte ihres gemeinsamen Unternehmens verbreiten dürfen.

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Antwort an Franz Schellhorn – Meinung mit Agenda

 

Franz Schellhorn hat kürzlich im Profil (Franz Schellhorn: Bauen mit der Stadt Wien) das Skandal-Projekt Krankenhaus Wien Nord thematisiert. Mit der Kritik am Bauprojekt und der fehlenden Rücktrittskultur hat er natürlich recht, seine Schlussfolgerung, dass die öffentliche Hand zukünftig besser „Totalunternehmer“ beauftragen sollte, die beispielsweise ein schlüsselfertiges Krankenhaus übergeben, ist dann aber doch ein etwas zu simpler Spin und wohl einzig der Wunsch von Großkonzernen.

Bemerkenswert auch, dass das Profil nicht auf Schellhorns Funktion bei der Agenda Austria hinweist. Einer der Förderer der Agenda Austria ist die Porr AG, die für den Rohbau des KH Wien Nord verantwortlich ist, ursprünglich aber auch Teil jenes Konsortiums war, das das Krankenhaus als Generalunternehmer umsetzen hätte wollen.

Bevor ich inhaltlich auf die Probleme von „Totalunternehmer-Ausschreibungen“ eingehe, möchte ich kurz darstellen, wie Großkonzerne in den letzten Jahren sehr erfolgreich dafür lobbyierten, dass Ausschreibungen so verfasst werden, dass sie ihnen zupasskommen. Es wundert mich, dass man ausgerechnet Franz Schellhorn jene Mechanismen darstellen muss, die zu einer Einschränkung des freien Wettbewerbs führen.

Öffentliche Ausschreibungen sind für die Wirtschaft ein wesentlicher Faktor und unterliegen vielen Begehrlichkeiten. Das Vergaberecht ist ein zu spezielles Thema, als dass es eine breiten öffentlichen Diskussion dazu gäbe und so passiert hier vieles im Verborgenen und wird von Politik und Medien kaum wahrgenommen und thematisiert. Viele Probleme entstanden, weil in der öffentlichen Verwaltung gespart wird und so gingen in den letzten Jahren viel Know How und viele Ressourcen auf Seiten der öffentlichen Auftraggeber verloren. Die Know-How-Bündelung in der BBG funktioniert leider nicht so, wie es wünschenswert wäre und auch für die Auslagerung an externe Planungsunternehmen bedarf es internen Know-Hows.

Großkonzerne lobbyieren für bestimmte Standards in Ausschreibungen, die nur sie selbst erfüllen können und für die Zusammenfassung von Leistungsteilen zu möglichst großen Einheiten, um ein größeres Stück vom Kuchen zu erhalten und den Wettbewerb zu reduzieren. Jedes sehr spezielle Großprojekt stellt auch ein Referenzprojekt für zukünftige Ausschreibungen dar. Wer einmal ein solches umgesetzt hat, hat bei zukünftigen Projekten im schlechtesten Fall einen Wettbewerbsvorteil und im besten Fall ein Alleinstellungsmerkmal. Ich hab das erfolgreiche Lobbying für die Bewachungsbranche vor ein paar Jahren einmal aufgezeigt, hier eine ganz gute Zusammenfassung meiner Recherche aus der Sendung „Bist du deppert“ auf Puls 4: https://www.puls4.com/bist-du-deppert/Videos/alle-faelle/Das-Schubhaftzentrum-Vordernberg

Im Gegensatz zur oft sinnvollen Generalunternehmer-Ausschreibung, übernimmt ein „Totalunternehmer“, wie ihn Franz Schellhorn nennt, auch die Verantwortung für artfremde Leistungen. An jeder dieser Leistungen verdient der „Totalunternehmer“ mit und der freie Wettbewerb wird damit oft für große Bereiche eines Projektes ausgeschaltet. Subunternehmer sind davon abhängig, ob sie vom „Totalunternehmer“ zur Angebotslegung eingeladen werden und können meist auch nur exklusiv mit einem „Totalunternehmer“ anbieten. Das führt dazu, dass in vielen Bereichen nicht mehr die eigentlichen Bestbieter zum Zug kommen können.

Haben sich „Totalunternehmer“ in einer Branche einmal etabliert, führt an ihnen kein Weg mehr vorbei. Sie geben Preise und Rahmenbedingungen für Ausschreibungen vor und es ist naiv zu glauben, dass man Risiken hier einfach an Branchenriesen abwälzen kann. Risiken werden in Angebotspreise immer einkalkuliert und werden nur ungern übernommen. Pönaleregelungen in einer Höhe, die eine Umsetzung im Zeitplan sicherstellt, erhöhen die Kosten meist überproportional, gleiches gilt für hohe Haftrücklässe oder Garantien. Maßvolle diesbezügliche Regelungen sind essentiell, um kostengünstig beschaffen zu können.

Beim Krankenhaus Wien Nord ist sehr Vieles falsche gelaufen, es eignet sich mit Sicherheit nicht als Nachweis für Vor- oder Nachteile bestimmter Ausschreibungsvarianten. Die von Schellhorn zitierte Erstausschreibung inkludierte auch ein passendes Grundstück, was ein Skandal für sich ist und wurde zurückgezogen. Die Gründe für den Rückzug sind nur zum Teil bekannt, aber es blieb nur ein Bieter im Verfahren übrig und wir wissen auch nicht, ob dieser tatsächlich alle Risiken für Budget und Zeitplan übernommen hätte, bzw. zu welchen Konditionen.

Es wäre wünschenswert, dass die Politik den Rahmenbedingungen für öffentliche Vergaben endlich den richtigen Stellenwert einräumt. Wer sich selbst einen Anbietermarkt schafft, auf dem es nur noch ein oder zwei große Anbieter gibt, ist diesem/n ausgeliefert und wird in der Zukunft teurer beschaffen. „Totalunternehmer“-Ausschreibungen stehen einem der wesentlichen Ziele öffentlicher Beschaffungen entgegen, nämlich jenem, auch für Unternehmen eine faire Chance zu schaffen, als Bestbieter tatsächlich zum Zug zu kommen. KMUs sollten hier hellhörig werden und sich über die WKO ihrerseits für faire Ausschreibungen einsetzen, in denen sie zukünftig nicht nur Subunternehmer sein können.

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3 Artikel zum Salzburger Untreue-Prozess

Das Urteil im „Salzburger Untreue-Prozess“ ist noch gar nicht schriftlich ausgefertigt, aber 3 namhafte JournalistInnen wissen bereits, dass es verheerend, ein Wahnsinn und viel zu hart ist.

Eric Frey schreibt in seinem Standard-Blog von einem durch und durch integren Mann, der da verurteilt wurde. Er kann die Urteile gegen die anderen Angeklagten gerade noch nachvollziehen, das gegen Schaden aber nicht.

Martina Salomon schreibt im Kurier-Kommentar von „giftigen“ Papieren, die ans Land „weitergereicht“ wurden und von einer Justiz, die bei Politikern keine Gnade kennt.

Reinhard Göweil meint in der Wiener Zeitung, dass das Urteil ein Wahnsinn wäre und dass sich Bürgermeister nun nicht mehr trauen würden Entscheidungen zu treffen. (Was für eine seltsame Überlegung, die am konkreten Fall vollkommen vorbei geht.)

Unqualifizierter Bauchgefühl-Journalismus ist unerträglich, insbesondere wenn als Kollateralschaden die Justiz dabei schlecht gemacht wird.

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Kurier und Agenda Austria einig: Kurz kann zaubern!

Am Mittwoch erschien ein Kurier-Artikel mit dem Titel „Kurz-Ziel von 40 % Abgabenquote ohne Kürzungen machbar“.

Auf Basis einer „Volkswirtschaftlichen Modellrechnung“ der Agenda Austria wird darin recht simpel dargestellt, dass Kurz Ankündigung, die Abgabenquote auf 40 % zu reduzieren einfach möglich wäre. Man muss nur die Höhe der Abgaben für mehrere Jahre einfrieren und simsalabim: Ziel erreicht.

Warum ist vor Kurz, Agenda Austria (und Kurier) noch niemand auf diesen genialen Trick gekommen? Wir könnten ganz ohne Kürzungen im Sozialsystem die Abgabenquote deutlich reduzieren! Unglaublich! Genial!

Ein kleines Problem wäre noch zu lösen, dann steht dem Nobelpreis nichts mehr im Wege:

Die Bevölkerungsentwicklung ist zwar beim Wirtschaftswachstum inkludiert, nicht aber in der Abgabenentwicklung des „volkswirtschaftlichen Modells“. Mehr Einwohner, mehr Pensionisten, gleichbleibende Staatsausgaben, aber keine Kürzungen – das wäre ja doch zu schön gewesen.

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Die Rächer der Enterbten und die willfährige ZIB

Wir sind mitten im Wahlkampf und der Pflegeregress wurde bereits zum ersten Wahlzuckerl erklärt. Kurz wollte ihn kürzlich noch reformieren, nun hat ihm Kern das Thema weggeschnappt und fordert gleich die komplette Abschaffung.

Nahezu alle Medien haben etwas zum Thema gebracht, nämlich das was sich die SPÖ-Strategen dazu überlegt hatten. Ein besonders willfähriger Handlanger war die ZIB-Redaktion mit diesem Beitrag (Er ist nur wenige Tage in der TVThek verfügbar – Link):

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Kanzler Kern wird in einem Pflegeheim vor Patienten zum Wahlzuckerl interviewt und die FPÖ wird als Verhinderer dargestellt. Das ist bemerkenswert, weil diese kürzlich selbst einen Antrag auf Abschaffung des Pflegeregresses im Parlament gestellt hat.

Nun fragt man sich als Zuseher, wozu es für diesen und die meisten anderen Beiträge (Online und Print) zum Thema überhaupt noch Journalisten braucht. Das Zusammenfassen von Pressemeldungen bringt wirklich keinen Mehrwert. Die „journalistische Leistung“ der ZIB war es wohl, den Kanzler in Szene zu setzen, kritische Fragen und weitergehende Informationen für die Zuseher waren es jedenfalls nicht.

Vor wenigen Jahren wurde der Pflegeregress gegen Kinder österreichweit abgeschafft. Das ist gut so, denn Zustände wie in Deutschland, wo Menschen Ihre demenzkranken Eltern wegen des Regresses in Billigpflegeheime nach Polen abschieben, will hierzulande wohl niemand.

Der Eigenregress ist da schon ein anderes Thema und es ist natürlich dankbarer für eine Abschaffung zu argumentieren, als dagegen. Ich versuche es trotzdem:

In den meisten Fällen geht es beim Pflegeregress um die Pflege im letzten Lebensabschnitt. Der überwiegende Teil der Pflegebedürftigen wird daheim gepflegt, oft von den eigenen Angehörigen. In schwerwiegenden Fällen oder wenn eine Pflege zuhause nicht möglich ist, bleibt ein Pflegeheim als Option. Laut einem Bericht der OÖ Landesregierung versterben ca. 37 % der Menschen innerhalb eines Jahres, wenn sie in ein Pflegeheim kommen, ca. 21 % leben dort länger als 6 Jahre.

Wenn wir von der Abschaffung des Eigenregresses sprechen, geht selten um die weitere Lebensqualität und die Aufrechterhaltung des Lebensstandards der Betroffenen selbst. Es ist ein emotional so aufgeladenes Thema, weil es den einen – meist schon bevor sie betroffen sind – um das geht, was sie gerne vererben möchten und den anderen darum, was ihnen zum Erben bleibt. Das erkennt auch die SPÖ und deshalb meinte Kern auch, dass der Pflegeregress oft eine Art „hundertprozentige Erbschaftssteuer“ wäre. Die Solidarität der SPÖ geht inzwischen also offenbar so weit, dass Sie sogar Erben, unabhängig von der Höhe der Erbschaft und deren Situation mit ihrer Populismus-Gießkanne beglücken möchte. Das hat mit Umverteilung und Solidarität wirklich nichts zu tun.

Warum sollte jemand, der sich seine Pflege im letzten Lebensabschnitt selbst leisten kann, nicht selbst dafür aufkommen? Damit den Erben etwas zum Erben bleibt? Das Thema ist deutlich vielschichtiger, als es in all den oberflächlichen Kurzberichten und der SPÖ-Forderung wirkt und natürlich geht es auch um die Frage, ob die Abschaffung des Pflegeregresses nicht auch die Abschiebung von Familienmitgliedern ins Heim fördert und ob wir – bei beschränkten Mitteln – nicht lieber pflegende Angehörige unterstützen sollten, als nicht pflegende.

Statt Gießkanne könnte man sich bessere Lösugen für temporär Pflegebedürftige und Ehepartner überlegen, ev. auch Förderungen, eine Deckelung oder eine Versicherungslösung, aber Wahlkampf ist ja bekanntlich die Zeit der fokusierten Unintelligenz.

Dann wäre da noch die Finanzierung mittels Erbschaftssteuer ab 1 Mio. €, mit der Kern deutlich mehr lukrieren möchte, als die alte Erbschaftssteuer mit niedrigen Freibeträgen gebracht hat. Auch diese Ansage wurde noch von keinem Medium hinterfragt. Die SPÖ ist wohl die einzige Partei auf der Welt, die sich selbst als „politische Linke“ sieht, aber Erbschaftssteuern nur für Superreiche fordert. Selbst damit kann man in Österreich die anderen Parteien noch vor sich hertreiben – mit ZIB-Unterstützung.

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Quo vadis „ORF Information“?

Derzeit wird viel über die ORF Nachrichtenredaktion diskutiert, insbesondere über den Interviewstil von Armin Wolf. Erst gestern hat Hans Bürger diesen in einem Tweet indirekt wieder kritisiert, zumindest kam es bei mir so an. Das war schon starker Tobak, denn Prantners Kritik wurde vom Generaldirektor noch kleingeredet, weil er ja eh für einen anderen Bereich zuständig und das daher seine Privatmeinung wäre. Wenn jetzt aber auch Hans Bürger an der öffentlichen Demontage Wolfs mitarbeitet, dann ist es höchst an der Zeit, die wahre Herausforderung in der ORF Nachrichtenredaktion zu thematisieren: Die Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Redaktion bewahren und ausbauen.

So sollte ein ZIB-Moderator in seiner Freizeit nicht – mutmaßlich gegen Bezahlung – Veranstaltungen einer Bank mit starker parteipolitischer Bindung moderieren, wie es diese Woche in einem Beitrag der Sendung ORF-Report im Hintergrund zu sehen war. Mögliche Interessenskonflikte untergraben die Glaubwürdigkeit der ganzen Redaktion, auch wenn der ORF solche Nebenbeschäftigungen genehmigt.

Mitarbeiter der ZIB-Redaktion sollten sich auch von Politikberatern mit parteipolitischer Nähe nicht aktiv als Speaker oder Moderator über deren Website vermitteln lassen.

Mitarbeiter der ZIB-Redaktion sollten nebenbei keine GmbH führen und über diese Trainings und Coachings für Interviews mit Journalisten anbieten. (Warum genehmigt der ORF so etwas überhaupt?)

Von einem Ressortleiter würde ich mir wünschen, dass er sich selbst nicht als Mitglied einer großen politmedialen Familie sieht. Wenn für die Zuseher der Eindruck entsteht, dass man regelmäßig auf ein Glaserl mit Politikern geht, untergräbt das ebenfalls die Glaubwürdigkeit der ganzen Redaktion.

Wer bräuchte schon einen ORF, dessen Nachrichtenredaktion wegen einiger lammfrommer, schwarzer Schafe ihre Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit verspielt hat?

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Schmalspurjournalismus vs. Kommunikationsprofis

Diese Tricks wenden Kommunikationsprofis an, wenn hunderte Millionen Euro verspekuliert wurden.

Die Gemeinde Wien hat im letzten Jahr 183. Mio. € bei den Frankenkreditspekulationen verloren. Addiert man die Kursverluste seit 2008 hinzu, kommt man auf über 500 Mio. € Gesamtverlust. Trotzdem wurde aus dieser Affäre nie ein Skandal, denn durch klassische Kommunikationstricks hat man die Verluste über Jahre erfolgreich heruntergespielt, relativiert und sogar negiert. Zuletzt gelang mit tatkräftiger Unterstützung einiger Medien aber ein echter Coup.

Kommunikationsprofis betten eine Affäre wie diese gerne in einen sogenannten Deutungsrahmen ein, um die öffentliche Wahrnehmung in einer gewünschten Form zu beeinflussen. Einer dieser Deutungsrahmen zur Causa war in der Vergangenheit die Gegenüberstellung der Frankenkursverluste der letzten Jahre mit den historischen Zinsvorteilen aus den Jahrzehnten davor, ein anderer war die Darstellung als „Buchverluste“.

Im Frühjahr 2016 musst man sich überlegen, wie man mit der zu erwartenden Oppositionskritik und negativen Berichterstattung umgehen würde, nachdem der Rechnungsabschluss Ende Juni im Gemeinderat debattiert, natürlich angenommen und schließlich veröffentlicht werden würde und man entschied sich für diese Strategie:

Anfang Juni lud Stadträtin Brauner ausgewählte Journalisten zum Gespräch zur Präsentation des Rechnungsabschlusses ein. Der ganze Rechnungsabschluss konnte natürlich noch nicht präsentiert werden, denn er musste erst im Gemeinderat abgesegnet werden. Bei solchen Terminen sollten bei Journalisten eigentlich schon alle Alarmglocken läuten, denn natürlich bekommt man dort einen Deutungsrahmen präsentiert und ist auch schlecht vorbereitet, denn vor dem Termin bekommt man ja keine Info. Zusätzlich hat man als Politikerin noch den Vorteil, dass das Thema durch diesen Termin verwässert wird. Schafft man es, dass Anfang Juni ausführlich über die eigene Deutung der Causa berichtet wird, kann man davon ausgehen, dass sich das Medieninteresse bei der tatsächlichen Veröffentlichung des Rechnungsabschlusses kurze Zeit später in Grenzen halten wird.

Das politisch wirklich brisante Thema des Rechnungsabschlusses waren die Verluste aus den Frankenspekulationen. Beispielsweise hatten Spekulationsverluste in Salzburg ja zum Rücktritt der Landeshauptfrau und zu Neuwahlen geführt. Die Erhöhung des Schuldenstandes – ein zweites großes Thema – mag relevant wirken, in der Wahrnehmung der Wähler ist sie es aber nicht und auch für sie gibt es einen Deutungsrahmen, denn die Stadt „investiert gegen die Krise“. Welche Geschichte wurde zu den 183 Mio. € Verlust aus den Frankenkreditspekulationen beim Termin Anfang Juni also präsentiert und wie wurde sie von mehreren Journalisten dann dargestellt?

deutungsrahmen

Quelle: Tiroler Tageszeitung Online (APA)

Genial! Die Schweizer sind schuld und die Stadträtin darf auch noch betonen, wie transparent man mit dem Thema umgeht.

Der Verfasser glaubte vermutlich, einen kritischen Artkel verfasst zu haben, tatsächlich hat er genau das berichtet, was sich Kommunikationsprofis ausgedacht hatten.

Der APA-Artikel wurde von mehreren Medien veröffentlicht. ORF.at hat nahezu wortgleich berichtet, ohne die APA als Quelle anzugeben, aber das ist ein anderes Ärgernis, dem ich einmal einen eigenen Blogpost widmen werde.

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